Versunkenheit

26. August 2009

Auch Max de Brujin weist auf das Phänomen der „Versunkenheit“ hin, das bei Nerds zu beobachten ist. Er deutet es allerdings als eine Fähigkeit von Nerds, aus der sich eine „Haltung“ ergibt, nicht umgekehrt:

Betrachten wir noch einmal Bill G., unumstritten der Prototyp eines Nerd. Ein unscheinbarer Mann, der trotzdem auffällt. Doch warum eigentlich? Weil seine ganze Haltung ausdrückt, daß er absolut überzeugt ist: von seiner Arbeit und seinen gesamten Ideen. Das typische am Nerd ist nämlich, daß er sich einer Sache stets mit Leib und Seele verschreibt, sei es nun das Sammeln von Star-Trek-Fanartikeln, von Berichten über Flugzeugabstürze, das Züchten von Grassorten oder Verkauf schlechter Software. Ganz und gar fixiert auf ihre Aktivitäten, zeigen Nerds wenig oder gar kein Interesse an ihrer Umgebung und legen dementsprechend wenig Wert auf ihr Äußeres. Diese Eigenschaften tragen wiederum dazu bei, daß Nerds überaus geeignet sind für Jobs in der Computerindustrie oder der Elektronikbranche. Ihre totale Konzentration und ihr ausgeprägtes Talent für abstraktes Denken versetzen sie in die Lage, jahrelang ohne Sonne oder frische Luft in einer virtuellen Welt von Codes und Gehirnbits zu leben. Dazu kommt, daß Nerds gern nach Höherem streben: Sie wählen häufig ein Fachgebiet, von dem außer ihnen kaum jemand Ahnung hat, oder verschreiben sich einem Wissenschaftszweig, dem nur wenig andere außer ihnen intellektuell gewachsen sind. Besonders die Computertechnologie hat als Wegbereiterin einer neuen Ära solche Herausforderungen zu bieten. Falls jedoch eines Tages der Anbau von Rosenkohl, das Verfassen von Gedichten oder Walzen von Stahl unverhofft den heutigen Stellenwert von Computertechnik einnehmen sollte, wären Nerds die phantastischsten Rosenkohlzüchter, die begnadetsten Lyriker und die zähesten Stahlwalzer.

(In: Wie werde ich Bill Gates? Aufzucht und Lebensweise des gemeinen Nerd. Frankfurt a. M.: Fischer, 2000. S. 11 f.)

Folgerichtig beschreibt er die „Versunkenheit“ dann auch mit einer negativ besetzten Formel für Fremdbestimmtheit:

Die Besessenheit, mit der sich Nerds einer Aufgabe widmen, ist für die meisten Menschen das Verwirrendste an ihnen, weil normale Maßstäbe auf sie einfach nicht anwendbar sind.

(In: Wie werde ich Bill Gates? Aufzucht und Lebensweise des gemeinen Nerd. Frankfurt a. M.: Fischer, 2000.S. 12)