„Nerd“ leitet sich vom englischen „nerd“ ab

12. Oktober 2010

Im Anhang des Buches „Lachende Wissenschaft: aus den Geheimarchiven des Spaß-Nobelpreises“ des forensischen Biologen Mark Benecke findet man unter dem Titel „Wissenschaftliche Begriffe“ auf S. 221 diese Nerd-Definition:

Nerd: Ein intelligenter, aber kauziger, im Kontakt mit der Umwelt oft stiller Mensch. Ursprünglich abgeleitet vom englischen Wort für „Streber“, weil man diese Menschen früher für übertrieben ehrgeizige Schüler hielt. Das stimmt aber nicht, es ist bloß so, dass sich Nerds manchmal auch mit in der Schule behandelten Themen gern sehr innig beschäftigen. Ebenso oft tun sie dies aber nicht und sind darum nur in bestimmten Schulfächern besonders gut.
Schon seit etwa zehn Jahren wandelt sich die unrichtige Wahrnehmung: Max Goldt beschreibt Nerds als Menschen, die früher gern auf dem elterlichen Küchentisch gelöstet haben, heute an Computersoftware tüfteln, ihren Körper nicht richtig beherrschen und Sex für lästig halten.
Seit etwa 2001 hat sich die Wortbedeutung wiederum verändert. Heute steht der Begriff „Nerd“ laut Klaus Fehling für „jemanden, der etwas ganz allein, ohne die Hilfe anderer, beherrschen kann“.
Anstelle von „Nerd“ wird auch das Wort „Geek“ benutzt, das sich aber eher auf reine Computertüftler bezieht.

Was das englische Wort für Streber ist, von dem Nerd „abgeleitet“ sein soll, bleibt unklar (wahrscheinlich ist es „nerd“). Die Nerd-Definition von Klaus Fehling, die ohne Quellenangabe zitiert wird, findet sich ebenfalls bei Mark Benecke, in dem Artikel „Geliebte mit hunderttausend Volt“ über Freunde von Starkstrommasten, der 2001 in der 29. Ausgabe der ZEIT erschienen ist:

„Der Definition nach“, stellt der in Computer-Betriebssysteme verliebte Theaterautor Klaus Fehling bei einer Zigarre fest, „bist du auch ein Nerd.“
Das wundert mich, denn Nerds sind laut Max Goldt eigentlich Menschen, die früher gern auf dem elterlichen Küchentisch gelötet haben, heute an exotischer Software tüfteln, ihre Körper nicht richtig beherrschen und Sex für lästig halten. „Stimmt nicht ganz“, meint mein Gast. „Nerds sind vor allem Spezialisten für etwas, das sie ganz allein, ohne die Hilfe anderer, beherrschen können.“
So wie die Liebhaber von Überlandstromleitungsmasten.

Eine Methode, die man sich merken muss: Schreibe einen Artikel, in dem man von der Aussage eines Anderen gegenüber einem selbst berichtet. Dann zitiere in einem anderen Text diese Aussage, die ja nun eine Quelle besitzt.


Reservat Kauzigkeit

15. April 2010

Daniel Haas benutzt in dem Artikel „Gestatten meine Name ist Nerd“ über Tina Fey die Vokabel „Kauz“, um Nerds zu charakterisieren. Und Kauzigkeit wird als das Pflegen von obskuren Vorlieben zum Schutz vor Enttäuschungen in der „Wirklichkeit“ definiert:

Die Gestalt, die diese Geistes- und Lebenshaltung immer noch am besten zum Ausdruck bringt, ist der Nerd. Bis Fey die Bühne betrat, waren Nerds vorwiegend männlich, Kauze, die sich mit obskuren Vorlieben vor der Wirklichkeit verschanzten. Einer Welt romantischer Enttäuschungen und sozialer Tiefschläge entgeht der Nerd mit Parallelexistenzen in Comics und Computerspielen. In der gehobenen Variante können es auch Jazz, Kunstfilme und schwierige Bücher sein.

Zudem gibt es einen winzigen Versuch, die wachsende Popularität von Nerds zu erklären:

Die Unterhaltungsindustrie verdankt den Nerds Milliardenumsätze, und die Comedy nutzt sie als Spielmaterial. „Wir wären nirgendwo ohne die Nerds“, sagt Fey und wuschelt sich unbeholfen die Frisur zurecht. „Ich mag diese Loser. Kein Wunder: Sie hat den tapferen Verlierer ja für die weibliche Humorkultur erobert und regelrecht zur Kunstfigur veredelt. Liz Lemon ist bei allem Wortwitz so lächerlich, dass es wehtut.

Das erinnert an die Definition von Camp, dass etwas so schlecht ist, dass es wieder gut ist, bleibt aber völlig im Negativen. Warum es unterhaltend sein soll.

[Photo aus der Vogue ]